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Antoine d’Agata
"1001 Nights"
Antoine d’Agata (*1961) versucht nicht, die
Welt darzustellen, sondern uns seine Verortung in dieser Welt
mitzuteilen. Seine Fotografien reißen uns hinein in das
Chaos und Getümmel seiner Nächte: schäbige Bordelle,
durch Alkohol und Drogen zersplitterte Visionen, durch Licht
und Bewegung entstellte Gesichter, schwankende Bildeinstellungen,
aufeinander prallende Zeiten, ein Abdriften ohne Zweck und Ziel.
Entschlossen, jene Lebensweise aufzugeben, die seine ›malas
noches‹ hervorgebracht hat, zieht d’Agata nun einen
künstlerischen Schlussstrich: In einer exzessiven Geste
rekonstruiert er die chaotische Welt, durch die er zehn Jahre
lang geirrt ist. 1001 seiner Fotografien installiert er dicht
an dicht zu Raum füllenden Tableaus – ein suggestives
Panorama voller Poesie, Erotik, Einsamkeit, Nostalgie und brutaler
Verzweiflung.
Jahrelang ist der französische Fotograf in den Nächten
von San Salvador, Havana, Tijuana, Marseille, Gaza, Vigo, Hamburg,
Palermo und anderen Orten herum geirrt, immer auch getrieben
von der Notwendigkeit, zu fotografieren. Seine Aufnahmen entstanden
dabei nicht aus überlegter Distanz heraus, sondern stets
unmittelbar in der von ihm erlebten Situation. Diese fotografische
Vorgehensweise ist untrennbar von seinem Verständnis der
Existenz, als dessen Grundelemente er Risiko, Verlangen, Unbewusstsein
und Zufall nennt.
„Es ist nicht unser Blick auf die Welt, der zählt,
sondern unsere intimsten Erfahrungen mit ihr. Komposition, Licht,
Erzählung sind keine grundsätzlichen Fragestellungen
mehr. Es bleiben die Perspektive, die den fotografischen Akt
rechtfertigt, die Interferenzen der Erfahrung und der Inszenierung,
die Materie, die Funktion der Person, die Zusammenhanglosigkeit
der Abfolge – die Bilder, wie die Worte, fühlen sich
allein, wenn sie isoliert sind – das Bewusstsein, dass
ich Schauspieler, Autor und Regisseur meiner eigenen Szenarien
bin. Ich kann also, durch die manische Rekonstruktion der ungeordneten
Erfahrungen die Welt für meine eigenen Ziele benutzen und
sie, in einer ziemlich einsamen Erfahrung, beliebig transformieren,
so dass die Welt in den Bildern gewissermaßen nicht mehr
existiert.“
Die in Kooperation mit der Galerie VU/Paris und FOAM/Amsterdam
realisierte Präsentation ist die erste Einzelausstellung
des französischen Fotografen in Deutschland.
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Antoine
d’Agata
Geboren 1961 in Marseille, arbeitet in Paris
1990-91 Kurse am ICP (International Center of Photography, New
York) bei Charles Harbutt, Nan Goldin, Larry Clark
1991-92 Büroarbeit bei Magnum (New York)
1992 Assistent der Magnum-Fotografen Erich Hartmann, Hiroji Kubota,
Ferdinando Scianna
1994 Wechsel nach Paris
1995 Chiapas/Mexiko, Ganghzou/China, Hongkong
1996 Timbuktu/Mali, Soweto/Südafrika
1997 Port-au-Prince/Haiti
1998 Arbeit über die Reeperbahn in Hamburg
2000 für „Newsweek“ Reportage über Jerusalem
Mehrere Preise, u.a. erster
Preis beim Festival des Jeunes Créateurs
(1994), Prix Villa Médicis Hors les Murs (1999), Marty
Forscher Fellowship (1999), Prix Niépce (2001).
Publikationen u.a. in Le
Monde, Libération,
Stern, Art Press und Pour Voir.
Bibliographie:
„Mala Noche“, Paris, 1998
„De mala Muerte“, Paris, 1998
„Dormir/Sleep“, Paris, 2000
„Home Town“, Paris, 2002
„Insomnia“, Marseille, 2003
„Vortex“, Paris, 2003
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