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La Più Bella Sei Tu –
Du bist die Allerschönste
Fotografien von Federico Patellani
Zu den charmantesten Reportagen des italienischen Fotojournalisten Federico Patellani (1911-1977) gehören sicherlich die Bildberichte von den Wettbewerben zur „Miss Italia“ in den späten 40er und frühen 50er Jahren sowie seine Aufnahmen aus der Goldenen Ära des italienischen Kinos.
1947 erhielt Patellani von der Wochenzeitschrift „Tempo“ den Auftrag, den zweiten Wettbewerb zur „Miss Italia“ zu fotografieren. Am Thema scheint er Gefallen gefunden zu haben, denn in den folgenden Jahren berichtete er regelmäßig von diesen Schönheits-Schauen. Bei den in San Remo und in Salsomaggiore stattfindenden Concorsi wurde das schöne Mädchen „von nebenan“ gesucht und so manche Filmdiva entdeckt. Keine Geringeren als Gina Lollobrigida, Sofia Loren oder Lucia Bosé unterzogen sich den Ritualen der Begutachtung – ein Einsatz, der sich, wie man weiß, ausgezahlt hat. Patellani hat die vorbereitenden Zeremonien, die rituellen Posen der Kandidatinnen, die Defilees der Konkurrentinnen und natürlich auch die kritischen Blicke ihrer männlichen Bewunderer mit handwerklicher Perfektion und einer gehörigen Portion Humor festgehalten. Den angehenden Filmdiven ist er anschließend in die Studios der Cinecittà in Rom gefolgt, wo zahlreiche weitere Portraits entstanden.
Die Schönheitswettbewerbe zur „Miss Italia“ boten dem professionellen Fotoreporter Federico Patellani reiches Motivmaterial, das von den vielen Illustrierten der Zeit ausführlich publiziert wurde. Patellani hat mit den Stereotypen seiner Zeit gearbeitet, und doch sind seine Reportagen über die Schönheitswettbewerbe ein lebendiges Portrait der Nachkriegsgeneration Italiens. Auch wenn das Bild der Weiblichkeit dieser Ära heute längst überholt ist, mag die fröhliche Unbefangenheit, mit der es von den jungen Frauen damals gelebt wurde, ein wenig nostalgisch stimmen.
Federico Patellani hat seine Fotografien der Concorsi nach der Veröffentlichung in den Magazinen nicht weiter verwendet. 1979, zwei Jahre nach seinem Tod, veröffentlichten die Editions Magma das Fotobuch „Und die Schönste, die bist Du“, das zunächst keine Beachtung fand. 2002 wurde das Buchprojekt noch einmal publiziert und parallel dazu konzipierten Giovanna Calvenzi und Kitti Bolognesi eine Ausstellung der Fotografien. Diese Schau konzentriert sich bewusst auf nur auf diesen kleinen Teil aus dem insgesamt 700.000 Negative umfassenden Gesamtwerk des Fotografen. Die Ausstellung „La Più Bella Sei Tu“ wurde bereits mit großem Erfolg u. a. vom Centre National de la Photographie, Paris und vom Nederlands Fotomuseum, Rotterdam gezeigt.
Katalog:
Federico Patellani – „La Più Bella Sei Tu“ (it./frz.), 39 €
Schönheitswettbewerbe sind heutzutage recht umstritten und werden zumeist als unzeitgemäße, längst überholte Rituale betrachtet. Der so genannte Ethikrat der Wochenzeitschrift „DIE ZEIT“ hat unlängst seine philosophische Hilfestellung zum Thema angeboten:
Unter Berufung auf die Werke des griechischen Bildhauers Polyklet und seines „Kollegen und Chefklassifikators“ Aristoteles kam Wolfram Eilenberger zu folgender Erkenntnis: „Die wettbewerbsleitende Idee einer amtlich verbrieften Vollkommenheit ist, wie alle Ideen, unsagbar alt. Man darf sogar vermuten, sie sei die Mutter aller Ideen und damit der Philosophie selbst. Denn ohne Norm spendende und für den Normalsterblichen auf ewig unerreichbare Ideale, sonderlich solche der (weiblichen) Schönheit, will der Mensch nun einmal nicht sein. ... Wer die Kriteriengüte von Schönheitswettbewerben kritisch infrage stellt, wendet sich also gegen den abendländischen Wertekanon selbst.“ (DIE ZEIT Nr. 3, 8.1.2004)
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