Hermann Consten (1878 – 1957)
14. März 1878: Hermann Joseph Theodor Consten kommt in Aachen als Sohn eines wohlhabenden Brennereibesitzers zur Welt. Nach Schuljahren in Aachen und Friedrichsdorf/Hessen schreibt sich Consten als Hörer im Fach Architektur an der TH Aachen ein, wechselt nach zwei Semestern nach Karlsruhe und setzt dort sein Studium fort, aller-dings ohne einen Abschluss zu erlangen.
1899/1900 Consten wechselt zur Deutschen Kolonialschule in Witzenhausen, auf der landwirtschaftliche Führungskräfte für den Einsatz in den deutschen Kolonien vorbereitet werden. Im September 1900 erhält er sein Abschlusszeugnis. Consten bricht nach Ostafrika auf, wo er in einer Pflanzung in Kwamkuju als Assistent arbeitet. Anschließend übernimmt er Verwalteraufgaben auf der Rheinischen Handei-Plantage, einer Kaffeefarm, die von dem Diplomaten und Forscher Max von Oppenheim gegründet wurde.
1905 Wegen einer Malaria-Erkrankung kehrt Consten nach Deutschland
zurück. Er zieht noch im gleichen Jahr nach Moskau, lernt Russisch und beginnt ein Studium am Lazarev-Institut, wo er vermutlich erste Grundkenntnisse der mongolischen Sprache sowie der Ethno-graphie und Geographie der mongolischen Völker erwirbt. Er wird Mitglied der Kaiserlich Russischen Geographischen Gesellschaft.
1907 Aufbruch zu seiner ersten Mongolei-Expedition, der bis 1913 weitere folgen. Constens Expeditionen gelten vor allem dem Gebiet der Chalcha-Mongolen in der Äußeren Mongolei, wo er u.a. in russi-schem Auftrag umfangreiche Landvermessungen vornimmt und eine ethnologische Sammlung anlegt. Darüber hinaus knüpft er Kontakte zu führenden politischen und religiösen Persönlichkeiten der Mongo-lei, die ihn mit Beratungs- und Emissärsaufgaben betrauen, er un-terhält aber auch gute Beziehungen zu chinesischen Kaufleuten.
1911 Nach dem Sturz der Qing-Dynastie in China erlebt Consten die Kämpfe der Mongolen für ihre staatliche Unabhängigkeit mit, vor allem die blutigen Auseinandersetzungen rund um die Stadt Khovd. Im selben Jahr werden ihm durch den Gouverneur von Hovd und Uljasutai, Zezen Beise, Titel und Insignien eines Gung (vergleichbar unserem Grafentitel) verliehen. Durch engen Kontakt zu den Men-schen und ihrem täglichen Leben erhält Consten Einblick in viele Facetten des mongolischen Alltags. Besonders intensiv studiert er die mongolische Ausformung des buddhistischen Lamaismus. Kurz vor Ausbruch des Ersten Weltkriegs kehrt Consten über Moskau nach Deutschland zurück.
1914/1918 Die Kriegsjahre verbringt Consten in geheimer Mission in der Türkei
und Ungarn.
1919/20 Constens Buch "Weideplätze der Mongolen" erscheint mit vielen
Abbildungen bei Reimer in Berlin. Anfang der zwanziger Jahre läßt sich Consten als Privatgelehrter in Bad Blankenburg/Thüringen nie-der. Er unternimmt ausgedehnte Vortragsreisen im gesamten deut-sprachigen Raum und veröffentlicht mehrere Mongolei-Romane. Seine Wohnung wird zum Treffpunkt prominenter Asienforscher, darunter Sven Hedin. 1925 empfängt er den mongolischen Erzie-hungsminister Erdene Batchaan in Bad Blankenburg.
1927 Reise nach Ost- und Zentralasien mit dem Plan einer weiteren Mongolei-Expedition. Begegnung mit Albert Grünwedel auf Ceylon. Weiterreise nach China. Politische Wirren und Versorgungsschwie-rigkeiten verzögern den Aufbruch der Expedition in die Mongolei; ein früher Wintereinbruch 1928/29 bringt zusätzliche Behinderungen. Unmittelbar hinter der mongolischen Grenze wird Consten verhaftet und monatelang in eisiger Kälte festgehalten, bis ihm die Weiterrei-se nach Ulan Bator gestattet wird. Von dort wird er im April 1929 nach China abgeschoben.
1929-1950 Consten lebt am Stadtrand von Peking und verdient seinen Lebens
unterhalt mit einem Reitstall. Nebenbei verfasst er wissenschaftliche Aufsätze über Kultur und Religion der Mongolen, u.a. für die Zeit-schrift XXth Century (Herausgeber: Klaus Mehnert). Er sammelt Kunstgegenstände und mongolische Landkarten und plant die Veröf-fentlichung einer Mongolischen Grammatik und einer Encyclopedia Mongolica. 1936 heiratet Consten die China- und Japanspezialistin Eleanor von Erdberg.
1950 Hermann Consten und seine Frau Eleanor kehren aus dem maoisti-schen China nach Deutschland zurück und lassen sich in seiner Heimatstadt Aachen nieder.
4.8.1957 Tod Constens in Aachen.
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