Antoine
d’Agata
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Jan Thorn-Prikker in "Mosaik", WDR 3
"Der 1961 in Marseille geborene d'Agata ist ein Reporter ganz eigener Art. Sein Thema sind die Abgründe der menschlichen Seele. Unerschrocken amoralisch nimmt er eine Spur auf, die bei de Sade und Beaudelaire beginnt. Er sucht Ekstase und Rausch und scheut nicht das schäbige Milieu von billigen Hotels, Absteigen und Bars. D'Agata lässt an Larry Clarks legendäre Aufnahmen aus "Tulsa" denken. Und natürlich fällt einem Nan Goldins Bericht aus der Drogenwelt ihrer Freunde ein, wo einer nach dem anderen zum Opfer seiner Leidenschaften wird. D'Agata kennt beide, aber ihm gelingt ein ganz eigener Ausdruck. ... Seine Aufnahmen taumeln durch die Nacht. Sie sind voll gesogen mit Sehnsucht und Alpträumen aller Art. Ein verspäteter Existentialist. Jemand, der die Nacht als Fluchtort vor dem Alltag nutzt, auch wenn der letzte Ausweg ihn tief ins Dunkel führt. ... Sein Geheimnis bleibt, wie er verhindert, dass seine Fotografien in Menschen verachtenden Zynsimus abgleiten, oder im Sumpf der Pornographie enden. Vielleicht ist der Schleier der Unschärfe, die er über viele seiner Szenen legt, Teil dieses Rätsels. Dabei fehlt es ihm nicht an Deutlichkeit. Er zögert nicht, noch in den intimsten Momenten auf den Auslöser zu drücken. Er ist schamlos, aber nie unverschämt. Er ist unmoralisch, aber nicht abstoßend. Vielleicht gelingt ihm sein Balanceakt deshalb, weil er nicht als Voyeur aus dem sicheren Winkel operiert, sondern deutlich selber als Teil des Geschehens handelt, das er ins Bild bannt. Seine Fotografien sind Teil eines exzessiven Selbstversuches. Der sichere Weg zur Rente sind sie jedenfalls nicht. ... Tausend und eine Nacht - das ist auf den Fotogafien D'Agatas kein Märchen, sondern wie im nicht enden wollenden Märchenzyklus ein verzweifelter Versuch, dem Tod zu entkommen."
Ania Faas in „Photonews“, November
2003:
„D’Agata kennt kein Studio, kein Stativ,
kein Zusatzlicht. Er ist ein Straßenfotograf, dem es schwer
fällt, Bilder
zu machen. Oft schaut er dafür auch gar nicht durch den
Sucher. Sein linkes Auge hat er mit 28 Jahren verloren. Die Fotografie
kam durch das New Yorker ICP (International Center of Photography)
in sein Leben, wo er unter andern Nan Goldin zu seinen Lehrern
zählte. Um Schönheit ging es daher nie, um Wahrheit
schon eher. Aber welche Wahrheit? D’Agata wollte stets
hinausgehen über die klassische, auf soziale Themen festgelegte
Dokumentarfotografie und das damit verbundene 'Glaubensbekenntnis“,
wie er es nennt. 'Bilder – wie Wörter übrigens
auch – fühlen sich einsam, wenn man sie alleine lässt’,
meint er ... Die Ausstellungen des Fotografen sind immer Erzählungen,
die mit Fakten arbeiten, wie es Scheherezade tausend und einmal
tat, als sie Märchen aus ihrer orientalischen Welt erfand,
um ihr Leben zu retten ... Nackte Frauen, beschützenswerte,
unfreiwillig schöne, unfreiwillig hässliche. Und Transvestiten,
Trinker, in die Gosse geworfene Körper, Streuner. Manchmal
auch Häuser, deren Fassaden nichts Gutes verheißen.
Diese Welt zu dokumentieren, hieß, in ihr zu leben. Und
oft genug sieht man auf den Bildern den zerstochenen Arm, die
vernarbten Hände, auch das Gesicht oder den Körper
des Fotografen, der seinen Bildern ähnlich geworden ist.
... 'Man kommentiert eben immer wieder seine eigene Position...
Prostituierte, Transvestiten, Nachtgeschöpfe – ich
glaube, ich war fasziniert von diesen Menschen, die die wahren
Helden sind. Die ihr Leben einfach leben, ohne Literatur daraus
zu machen.’ Die Methode, die sich im Laufe der Jahre aus
d’Agatas Street-Photography entwickelt hat, strebt das
Erzählen von Geschichten an, die als Fiktion gemeint sind.
Die Ausstellung in ihrer Gesamtheit und in ihrer Neukonstruktion
einer Wahrheit will einen Ausweg zeigen aus der 'totalitären
Welt der Information’, in der die Fotografie oft zum reinen
Materialträger verurteilt ist. Konstruktion und Komposition
hat der Künstler sich für 'Insomnia’ erlaubt,
nur kein Mitleid und kein geheimes Wissen über seine Helden
aus zehn Jahren. Punk is not dead, aber vorbei – damit
dem Fotografen im Schlaf ein neues Leben einfällt.“
Christer Strömholm
Jürgen Kisters in „Kölner Stadt-Anzeiger“,
16.10.2003:
„Der Kern aller
Fotos ist der Bezug des Fotografierenden zu seinem 'Gegenstand'.
'Sich aussetzen' nannte
Strömholm seine fotografische Haltung, die zusammengefasst
ist in den Grundgedanken Verantwortung, Erkenntnis und Präsenz
im Moment des Fotografierens. Aus dieser Haltung heraus arbeitete
Strömholm ausschließlich mit dem vorhandenen Licht.
Und außer in einer Reihe von Polaroids, die in collagierten
Figurenarrangements den Hauch des Surrealen verströmen,
ist seine fotografische Experimentierlust denkbar gering. Vielmehr
vertraut er in seiner Fotografie ganz auf die Nähe zu seinem
Gegenüber und einen Anteil nehmenden Blick.“
Thomas Linden in „Kölnische
Rundschau“,
9.10.2003:
„Strömholm suchte die bedingungslose Begegnung mit
der Realität. Ein Unternehmen, das Angst macht, tatsächlich
geht es in vielen Aufnahmen des Schweden um Leben und Tod. Nicht
alleine, dass Strömholm auf seinen Reisen um die Welt immer
wieder Tierkadaver fotografierte, auch unter den Menschen spürt
er Zeichen von Leid und Vergänglichkeit nach. Berühmt
wurden seine Arbeiten aus den späten fünfziger Jahren,
als er in Paris an der Place Blanche im Milieu der Transvestiten
fotografierte. Strömholm war nicht an der Welt der Illusion
interessiert, sondern seine Bilder lesen sich wie eine Anatomie
der Pose. Die geschminkte Fassade dient hier alleine dazu, den
Blick auf das zu werfen, was sich hinter ihr verbirgt. Strömholm
moralisiert aber nicht, sondern er setzt sich selbst der Gefahr
des Fremden aus, um es als Spiegel seines Selbst zu benutzen
... Wer so viel riskiert, fängt denn auch viel von der Wirklichkeit
ein.“
juan Manuel Díaz Burgos
Thomas Linden in „Kölnische Rundschau“,
8.8.2003:
„Mit dieser ersten großen Ausstellung von Juan Manuel
Díaz Burgos in Deutschland kommt das Forum auf wunderbare
Weise seiner ästhetischen Zielsetzung nach, Fotografen zu
zeigen, deren Engagement untrennbar mit der Brillanz ihrer formalen
Meisterschaft verknüpft ist.“
Perry Kretz
Thomas Linden in „Kölnische
Rundschau“,
22.5.2003:
„Dennoch ist Kretz kein Sensationsreporter,
wie die vom 'Stern' organisierte
Ausstellung 'Perry Kretz – Reportagefotografie' beweist,
die jetzt im Forum für Fotogafie zu sehen ist. Tatsächlich
liefern Kretz’ Fotografien jene Qualitäten, die die
heute kaum noch ausgeübte Reportagefotografie einmal auszeichneten.
Denn hier fragt noch jemand nach den Menschen, ihrem Schicksal,
das zum Spielball eines politischen Geschehens wird, über
das es Rechenschaft abzulegen gilt.“
Antanas Sutkus / Aino
Kannisto
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Thomas Linden in „Kölnische Rundschau“,
25.1.2003:
„Mit seinen Terrassen und dem geräumigen Innenhof strahlt das Fotozentrum
eine freundliche südländische Atmosphäre aus. Als Verbindung zwischen
Straße und Innenhof fungiert die Stiftung für Fotografie, in der Norbert
Moos die Finnin Aino Kannisto und den Litauer Antantas Sutkus zeigt.
Ein eindrucksvoller Kontrast ergibt sich hier zwischen zwei Generationen von
Fotografen, deren Wahrnehmung von großer Intensität ist, sich aber
auf konträre Motive richtet. Während der 1939 geborene Sutkus mit
zärtlicher Neugier die Kinder eines Landes beobachtet, in dem die Zeit
stehen geblieben zu sein scheint, konzentriert sich die 30-jährige Finnin
auf die Inszenierung des eigenen Körpers.
Sutkus fängt mit klarem Blick und der klassischen Eleganz des Schwarzweißbildes
die Vitalität jener Kinder ein, die in die erstarrte Welt des Sozialismus
einen Funken Hoffnung zünden. Aino Kannisto dokumentiert mit ihren farblich
subtil arrangierten Selbstbildnissen die Aura des menschlichen Körpers,
der eine gewöhnliche Umgebung mit flirrender Energie auflädt.“
Christiane Fricke in „Süddeutsche Zeitung“,
24.1.2003:
„Ausstellungen 'weg vom Mainstream' stellt sich der
Mäzen für den gestreckten, zum Hof hin mit Fenstern
perforierten Saal vor. Die Wirkung lässt sich aktuell an
einer Gegenüberstellung der konstruierten Bilderwelt der
Finnin Aino Kannisto (geb. 1963) mit dem litauischen Fotografen
Antanas Sutkus (geb. 1939) – Schöpfer weit gefasster
Zyklen über Leben und Befindlichkeit in der kommunistischen
und post-kommunistischen Ära – überprüfen.“
ErÖffnung
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Georg Imdahl in „Frankfurter Allgemeine
Zeitung“,
25.1.2003:
„Erfreuliche Zeichen auf dem Gebiet der Kunst werden in
Köln seit einiger Zeit mehr von selbstbewussten Privatleuten
gesetzt als von der Stadt. Nach der Gründung eines überaus
gelungenen Galeriehauses in einem ehemaligen Umspannwerk wird
jetzt abermals ein bemerkenswertes Domizil eingeweiht: das „Forum
für Fotografie und Kunst“ verdankt sich dem Engagement
entschlossener Galeristen, Sammler und Stifter. 'Wir wollen
eigentlich nur ein Zeichen setzen, dass man auch ohne öffentliche
Gelder etwas bewegen kann’, sagt Thomas Zander über
den Neubau, der sich in direkter Nachbarschaft des Auktionshauses
Van Ham im Stadtteil Bayenthal befindet.
Zander führte seine Galerie fünf Jahre am Brühler
Platz, bis ihm diese zu klein wurde. Den Plan eines Forums für
Fotografie, dessen Resultat am heutigen Samstag der Öffentlichkeit
vorgestellt wird, hatte er mit dem Fotografieliebhaber Norbert
Moos angestoßen und zur Planungsreife gebracht. Der Bonner
Orthopäde sammelt Fotografie in Werkblöcken. Mit seinen
Konvoluten inszenierter Fotografie – von Cindy Sherman,
Bettina Rheims, Tracey Moffat oder auch der finnischen Künstlerin
Aino Kannisto, die er zum Auftakt in seinen Räumen präsentiert – dürfte
er ein Gegengewicht setzen zu dem künstlerisch-dokumentarischen
Stil, der ansonsten in dem neuen Forum den Ton angibt. ... Entstanden
ist auf überschaubaren tausend Quadratmetern Fläche
insgesamt eine viel versprechende Verbindung von kommerziellen,
archivarischen und wissenschaftlichen Interessen mit zwei Galerien
und drei Stiftungen. Das Debüt ist viel versprechend.“
Christiane Fricke in „Süddeutsche
Zeitung“,
24.1.2003:
„An zweierlei mangelt es vielfach der Kultur in Deutschland und
denen, die sie schaffen oder bewegen wollen: an öffentlichem
Geld und an Mut. Wem das Geld fehlt, dem mag noch zu helfen sein – auch
wenn diese Hoffnung derzeit in Köln angesichts krasser Sparauflagen
der Kommune schwindet. Wem aber der Mut abhanden kommt, der ist
verloren. Der Galerist Thomas Zander, Initiator und – zusammen
mit dem Sammler und Mäzen Norbert Moos – Bauherr des
neuen Forums für Fotografie und Kunst in Köln, hatte
keineswegs genügend Geld, dafür aber umso mehr Mut
zur kreativen Entwicklung. Das Ergebnis ist ein in Deutschland
vermutlich einzigartiger Komplex von Stiftungen und Galerien
zur Fotografie und zeitgenössischen Kunst, der heute – nach
knapp einjähriger Bauzeit – in Köln Bayenthal
eröffnet wird. ...
... Die größten Erwartungen dürften sich jedoch
an die im Sommer 2002 wie aus dem Nichts hervorgegangene Verbindung
des 'Forums für Zeitgenössische Fotografie' mit
der 'Stiftung für Zeitgenössische Fotografie' von
Norbert Moos heften, inklusive Bibliothek und einer 4000 Werke
umfassenden Kollektion. Ein vielstimmiges Reservoir, das mit
den besten Namen der westlichen Fotokunst seit 1900 aufwartet
nebst einer Anzahl von bei uns noch unbekannten Künstlern
aus dem östlichen, asiatischen und südamerikanischen
Raum. Allerdings: Nach dem Willen des Sammlers soll die Kollektion
lediglich Ressource sein für ein ambitioniertes, auch mit
auswärtigen Partnern zu realisierendes Programm von Wechselausstellungen....
Es ist ausgerechnet der zurückhaltende Moos, der dem Gedanken
des 'Forums' die entscheidenden Impulse liefert.
Statt sich im Glanz seiner Kollektion zu sonnen, sieht er sich
eher am Platz in seiner Bibliothek. Im ersten Stock des quadratischen
Turms, der architektonisch ein Scharnier bildet zwischen der
Stiftung für Fotografie und den Stiftungen Wilde und Ehrhardt.
Ein Stockwerk tiefer ist in einem kleinen offenen Karree Raum
für Film-Projektionen und Vorträge. Seminare und andere
Veranstaltungen sollen das Ausstellungsprogramm vertiefen und
speziell ein junges Publikum an den Umgang mit dem Medium heranführen.“
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